Eine Familiengeschichte
Anfänge und Aufbau des Geschäfts
Die Geschichte des Mode- und Textilgeschäfts Westerhausen / Mesenberg beginnt mit einem kleinen Schaukasten am Wohnhaus in der Eudenbacher Straße. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die junge Kriegswitwe Hannelore (Hella) Mesenberg von Köln nach Magdeburg verschlagen worden, bevor sie 1946 ins Rheinland nach Berghausen umsiedelte. Dort lernte sie den Schuhmachermeister Heinrich Westerhausen kennen, den sie 1948 heiratete. Gemeinsam mit ihrem Sohn Detlev zog sie nach Eudenbach. Um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen, begann Hella mit dem Verkauf von Wolle und dem Stricken von Pullovern sowie anderen Strickwaren auf Bestellung. Zur Werbung brachte sie einen Schaukasten für Wolle und Strickwaren neben der Haustür an. In ihrer Mietwohnung richtete sie sich ein Arbeitszimmer mit zwei Strickmaschinen ein und arbeitete dort fleißig. Besonders vor Weihnachten legte sie auch Nachtschichten ein, wie sich ihr Sohn Detlev Mesenberg erinnert.
Wachstum und Professionalisierung
1949 konnte Hella eine größere Strickmaschine anschaffen, auf der sie nun 2,50 Meter breite Bahnen herstellte, die anschließend mit einer Zuschneidemaschine in Form gebracht wurden. Ihr Sohn Detlev diente als „Model“ für die modischen Pullover seiner Mutter und warb so für ihre Produkte. Die Strickwaren von Hella Westerhausen waren sehr gefragt. So ließ sich beispielsweise Jean Dohle, Gründer der Dohle-Handelsgruppe aus Quirrenbach, jedes Jahr zwei neue Pullover von ihr anfertigen.
Das Geschäft an der Hauptstraße
1953 ergab sich die Möglichkeit, das Geschäft zu erweitern. Die Familie Westerhausen zog in das Haus der früheren Kolonialwarenhandlung Radermacher an der Hauptstraße 17 (heute Unterdorfstraße/Ecke Eudenbacher Straße). Dort hatte Fleischermeister Anton Radermacher gerade eine neue Metzgerei eröffnet. Hella erhielt hinter der Metzgerei einen etwa 30 Quadratmeter großen Raum mit gläsernen Theken als Verkaufsfläche. Ein großer Schaukasten an der Hauptstraße in einer neu errichteten Mauer machte Passanten auf das Geschäft aufmerksam. Die Strickerei gab Hella nun auf und schaffte stattdessen eine Reparaturmaschine für Laufmaschen an. Für 7,5 Pfennige pro Laufmasche reparierte sie die damals noch kostbaren Nylon- und Perlonstrümpfe der Damen. Der Laden diente bei Familienfeiern auch als Festzimmer, so etwa bei Detlevs Erstkommunion 1954, als die gläsernen Theken mit weißen Tischtüchern verhüllt wurden.
Neuer Laden im Laubenweg und Familienbetrieb

Nach der Geburt des zweiten Sohnes Thomas im Jahr 1958 baute die Familie ein neues Wohnhaus im Laubenweg gegenüber dem heutigen Kinderspielplatz, das 1959 bezogen wurde. Im Erdgeschoss entstand Hellas erster richtiger Laden mit Umkleidekabinen sowie einer Wäscherei- und Reinigungsannahme. Zum Sortiment gehörten Wäsche und Textilien renommierter Firmen wie Brügelmann und Schell, Markenstrümpfe von Glaeser, Hudson und „Nur die“, aber auch Schreib- und Spielwaren sowie Kosmetik und frei verkäufliche Arzneimittel. Das Geschäft florierte, sodass bald zwei Mitarbeiterinnen eingestellt wurden. Auch Hellas Mutter Maria Schlangen half gelegentlich mit. 1967 stieg Schwiegertochter Erika Mesenberg, eine gelernte Einzelhandelskauffrau, in das Geschäft ein.

Generationswechsel und Schließung
Ab 1970 verschlechterte sich Hellas Gesundheitszustand durch Multiple Sklerose, sodass sie den Laden nicht mehr selbst führen konnte. Erika Mesenberg übernahm die Geschäftsleitung und führte das Geschäft auch nach Hellas Tod weiter. Die zunehmende Konkurrenz durch Supermärkte wie Globus und Vorteil Center führte jedoch dazu, dass das Geschäft am 30. September 1979 endgültig schließen musste.
Weitere Wege der Familie
Sohn Detlev, der ursprünglich das Geschäft übernehmen sollte, begann 1961 eine Lehre als Großhandelskaufmann bei Schell Moden in Hangelar. Ab 1966 war er fünf Jahre als Bezirksleiter für die Hamburger Haarkosmetik-Firma Schwarzkopf im Raum Köln/Bonn tätig und wurde 1970 als bester Verkäufer ausgezeichnet. Nach einigen Jahren bei Kaufhof Siegburg wechselte er in den Stahlhandel nach Bad Kreuznach, wo er fünf Jahre lang Tanks baute. 1979 machte er sich mit einer deutschlandweit tätigen Tankreinigungsfirma selbstständig, die er bis 2000 führte und dann verkaufte.
