Die Gärtnerei und das Lebensmittelgeschäft der Familie Homscheid

Anfänge und Entwicklung des Familienbetriebs

Die Ursprünge der Gärtnerei und des Lebensmittelgeschäfts Homscheid reichen bis in die frühen 1950er Jahre zurück. Im Jahr 1952 begann Bernhard Homscheid, ausgebildeter Gärtnermeister, mit dem Anbau und der Pflege von Pflanzen in einem kleinen Gewächshaus am elterlichen Wohnhaus in der Unterdorfstraße in Eudenbach. Unterstützt wurde er dabei von seiner Familie. Kurz darauf erwarben Bernhard und Elisabeth Homscheid ein Grundstück in der Schulstraße 10, mitten im Herzen von Eudenbach. Noch vor dem Bau des geplanten Wohnhauses entstanden dort drei große Gewächshäuser. Ab 1955 lebten die Eheleute mit ihren drei Töchtern auf dem Gelände, das sich rasch zu einem florierenden Betrieb entwickelte. Der Schwerpunkt lag auf der Anzucht von Jungpflanzen, dem Verkauf von Schnittblumen sowie der Gestaltung von Sträußen und floralen Arrangements – häufig aus eigenem Anbau.

Meisterbrief im Gärtnerhandwerk von Bernhard Homscheid, ausgestellt am 6. März 1952

Floristik und Dienstleistungen

Die individuelle Floristik der Familie Homscheid war weit über Eudenbach hinaus bekannt. Für festliche Anlässe wie Geburtstage, Hochzeiten oder Trauerfeiern wurden individuelle Tischdekorationen, Girlanden, Zeltdekorationen sowie anspruchsvolle Trauerfloristik gefertigt. Auch die örtliche Erntekrone zum Erntedankfest wurde mit Hilfe der Homscheids gestaltet.

Eine Besonderheit des Betriebs war die eigene Schleifendruckmaschine, mit der Elisabeth Homscheid Schleifen für Kränze und Gestecke selbst bedruckte. Jede Schleife wurde zusätzlich von Hand mit einer passenden Fransenborte verziert.

Handwerkliche Traditionen: Papierrosen und Karneval

Die Familie war zudem in der Herstellung von Papierrosen aktiv. Anfangs wurden die Bordekanten dieser Rosen von Hand mit einer Nadel umgeschlagen. Später kam eine handbetriebene Kreppmaschine zum Einsatz, die schließlich durch einen Elektromotor unterstützt wurde. Dadurch engagierte sich die Familie nicht nur bei Anlässen wie Erstkommunionen und Hochzeiten, sondern fertigte auch die für den örtlichen Karneval bekannten Papierrosen. Anmerkung der Redaktion: Die in Rede stehende Kreppmaschine kommt auch heute noch bei der Herstellung der Rosen für die Prinzenwagen der KG zum Einsatz.

Kreppmaschine zur Herstellung von Papierrosen

Das Lebensmittelgeschäft

Parallel zur Gärtnerei betrieb die Familie im Wohnhaus ein Lebensmittelgeschäft. Das Sortiment umfasste frisches Obst und Gemüse, Konserven, Öllichter, Trauer- und Festtagskarten, Gartendekoration sowie Topf- und Schnittblumen. Diese Kombination machte das Geschäft zu einer festen Größe im Dorf und zu einem Ort des persönlichen Austauschs.

Zusätzliche Aufgaben und saisonale Besonderheiten

Bis Mitte der 1960er Jahre war Bernhard Homscheid zusätzlich als Friedhofsgärtner tätig. Er übernahm die Grabpflege und hob Gräber noch von Hand aus. Besonders vor Allerheiligen erhielt das Friedhofsgelände, häufig mit Unterstützung der Familie, besondere Pflege.

In der Vorweihnachtszeit fertigte der Betrieb handgebundene Miniatur-Tannenbäume aus frischem Tannengrün, die dekorativ verkauft wurden. Diese Bäumchen wurden in einem Topf mit Lehm fixiert und mit heißem Paraffin besprüht, um ihnen ein verschneites, glitzerndes Aussehen zu verleihen. Kränze für die Trauerfloristik wurden individuell gebunden und mit Schleifen aus eigener Herstellung verziert.

Paraffinspritze zur Erzeugung des verschneiten Effekts an selbstgebundenen Tannenbäumen

Wirtschaftliche Veränderungen und Nachwirkungen

Trotz großer Hingabe und Leidenschaft konnte sich der kleine Familienbetrieb den wirtschaftlichen Veränderungen nicht entziehen. In den 1970er Jahren nahm Bernhard Homscheid eine Stelle als Postzusteller an, da die Einnahmen aus Gärtnerei und Laden nicht mehr ausreichten. 1990 wurde das Geschäft schließlich geschlossen – wie viele kleine Betriebe in der Region, die dem Wettbewerb durch Supermärkte nicht mehr standhalten konnten. Das Gärtnern gab Bernhard Homscheid dennoch nicht auf und legte für die Familie einen großen Gemüsegarten an.

Vermächtnis und Bedeutung für das Dorfleben

Auch nach der Geschäftsaufgabe blieb der Einfluss des Familienbetriebs auf das Dorfleben spürbar. Viele Dorfbewohner erinnern sich nicht nur an die floralen Arrangements und das vielfältige Angebot, sondern besonders an die besondere Atmosphäre im Laden. Das Geschäft war mehr als ein Einkaufsort: Es war Treffpunkt, Anlaufstelle und Ort der Gemeinschaft. Auch Jahre nach der Schließung blieb die Familie Homscheid ein wichtiger Bezugspunkt im Dorfleben – fest verwurzelt in Eudenbach und bis heute geschätzt für Herzlichkeit und Einsatz für die Gemeinschaft.

Ehepaar Elisabeth („Lisbeth“) und Bernhard („Berni“) Homscheid

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